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Frankreich 2021: radikal mehr Umweltzonen

Im neuen Jahr treten in Frankreich diverse Umweltzonen in Kraft, die ältere Verbrenner dauerhaft aus den Innenstädten verbannen. So wird die Gefahr, eine Geldbuße im undurchschaubaren System dauerhafter und temporären Umweltzonen zu bekommen, noch größer.

Ab Anfang nächsten Jahres führen ganze sieben Städte und Regionen des beliebten Urlaubslandes ständig gültige Umweltzonen in Ihren Innenstädten ein. Hiermit folgen Sie den Metropolen Paris, Lyon und Grenoble-Alpes, in denen bereits permanente Zonen das Einfahren von älteren Fahrzeugen verbieten. Zuvor hatte eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs das Land zu einer hohen Geldstrafe verurteilt, da die EU-Grenzwerte für Luftverschmutzung wiederholt nicht eingehalten wurden. Von den neuen Zonen betroffen sind die Städte und Regionen Aix-Marseille-ProvenceNice-Côte d'AzurToulon-Provence-Méditerranée, der Großraum ToulouseMontpellier-Méditerranée, die Eurometropolregion Strasbourg sowie Rouen-Normandie. Ab Januar werden wohl die wenigsten der neuen Zonen in Kraft treten, da meist noch nicht klar ist, welche Regeln gelten werden. Ebenso wird weiterhin diskutiert, welche Bereiche der Städte und Gemeinden zu den Umweltzonen gehören werden.  

In der Metropolregion Rouen-Normandie wird voraussichtlich der Bereich zwischen den Boulevards und der Seine im östlichen Teil der Stadt, sowie ein noch nicht definierter Bereich südwestlich des Flusses zur Umweltzone gehören. Der Bürgermeister hatte im September dieses Jahrs vorgeschlagen, Dieselfahrzeuge mit der französischen Plakette 5 aus diesem Bereich zu verbannen. Ob nur das Verbot solch alter Dieselfahrzeuge in einem wenige Kilometer großem Gebiet der Innenstadt tatsächlich zur Reduzierung der Luftverschmutzung beitragen kann, bleibt abzuwarten. Die Zone soll bis spätestens 30. Juni 2021 in Kraft treten. Auch in Nice-Côte d’Azur sind die diskutierten Ausmaße der Zone bisher eher zurückhaltend. Lediglich die Promenade des Anglais, die am Ufer der Stadt entlangführt, soll zur Umweltzone gehören und ältere Kleintransporter und LKW aussperren. Im Gegensatz hierzu werden die Verkehrseinschränkungen in Toulon-Provence-Méditerranée, sowie im Großraum Strasbourg enorm zunehmen. In Toulon-Provence-Méditerranée sind immerhin 12 Gemeinden der Metropolregion betroffen. Die genauen Begrenzungen der Zone sowie die Regeln wurden noch nicht bekannt gegeben. Vorgesehen ist die Einführung der Zone im September 2021. In Strasbourg umfasst die permanente Umweltzone alle 33 Gemeinden des Großraums Strasbourg. Die Hauptachsen A4, A35, N83, N353 und D1083, die den Großraum umfahren und ihn teilweise durchziehen, sind von den Fahrverboten allerdings nicht betroffen. In Kraft treten soll die Zone ab Januar 2021. Ab dem Jahr 2022 sind dann Fahrzeuge mit Plakette 5 verboten, ab 2023 auch Fahrzeuge mit Plakette 4. Im Jahr 2024 und 2025 folgen erst Fahrzeuge mit Plakette 3, und dann sogar solche mit Plakette 2. Mit der Plakette 2 sind dann de facto alle Diesel-Fahrzeuge aus der Zone verbannt, da die Plakette 1 nur an Benziner und Hybrid-Fahrzeuge vergeben wird. Die Einschränkungen sowohl für Einheimische als auch für Touristen werden hier also in den kommenden Jahren deutlich ausgeweitet. Die neue Zone in Toulouse ist ab April 2021 geplant und wird wahrscheinlich der bereits existierenden temporären Zone entsprechen. Die Grenzen der jetzigen Umweltzone umfassen große Teile des Stadtgebietes innerhalb der Ringstraße „Périphérique“. Diese selbst liegt außerhalb der Zone, und kann daher weiterhin auch von älteren Fahrzeugen genutzt werden. Auch in der Region Aix-Marseille-Provence wird die neue Zone voraussichtlich innerhalb des Rings liegen, und ganz bis zum Ufer am Quai du Lazaret im Westen von Marseille reichen. Obwohl die Region Montpellier-Méditerranée ihre Zone ab 01. Januar 2021 einführen möchte, sind hier noch keinerlei Informationen zur Ausdehnung oder zu den Regeln bekannt.  

Bisher gab es in Frankreich ca. 30 Umweltzonen, die allesamt schon jetzt mit unterschiedlichen Regelungen für Verwirrung sorgten. Die Hauptstadt hat mit vier verschiedenen Zonen -- teilweise permanent und teilweise temporär -- das wohl komplizierteste System des Landes. Das Stadtzentrum verbietet zum Beispiel dauerhaft Fahrzeuge mit Plakette 4 und 5, und solche die gar keine Plakette bekommen können. Eine zweite, aber temporäre Zone liegt ebenfalls im Stadtzentrum, reicht aber über die Grenzen der permanenten Zone hinaus. Bei hoher Luftverschmutzung kann die temporäre Zone aktiviert werden und die Regeln der permanenten Zone überschreiben, so dass dann zum Beispiel auch Fahrzeuge mit Plakette 3 verboten sein können. Eine zweite dauerhafte Zone mit weniger strengen Regeln im Großraum Paris sowie eine weitere temporäre Zone tragen zum Regelchaos bei. Den Überblick zu behalten, scheint schon jetzt schier unmöglich. Trotzdem setzt die Stadt jetzt noch einen drauf: So soll es in Paris nun immer am 1. Sonntag des Monats einen autofreien Tag von 10h bis 18h geben, der sogar reine Elektro-Autos ausschließt. Betroffen sind die Arrondissements 1-4, die nördlich des Seine-Ufers liegen, sowie die Champs-Élysées. Ausgenommen von diesem Fahrverbot sind nur Taxis, Lieferwagen, Anwohner und Pflegepersonal sowie Elektro-Fahrräder, die jedoch allesamt nicht mehr als 20 km/h fahren dürfen. 

Auch in Deutschland überschreiten die Luftverschmutzungswerte im Übrigen oft die von der EU vorgegebenen Grenzwerte, so dass Deutschland eventuell bald ein ähnliches Schicksal drohen könnte. Mit seinen knapp 60 Umweltzonen liegt Deutschland zwar im internationalen Vergleich recht weit vorne – nur Italien hat noch weitaus mehr Zonen -- da die Regeln aber fast überall gleich sind, und man meist lediglich die grüne Umweltplakette benötigt, um die Umweltzonen befahren zu dürfen, ist das System vergleichsweise einfach. Doch auch hier entstehen mittlerweile immer mehr Dieselfahrverbote, um Feinstaub- und Stickoxidwerte zu minimieren. Deutschland hatte bereits versucht, das genehmigte Stickoxidlevel anzuheben, um die ungeliebten Verbote zu vermeiden, doch die EU blieb hart: der Grenzwert bleibt. Somit wird Deutschland wohl mehr tun müssen, um eine ähnliche Klage der EU zu vermeiden. Ob dies in Form von ausgeweiteten Dieselfahrverboten passiert, oder ob die Städte weiterhin mit kreativen Methoden versuchen, diese zu umgehen, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch eines: Sollten sich die Messwerte nicht verbessern, könnte ein chaotisches System mit unterschiedlichen Plaketten, temporären und dauerhaften Zonen, und vermehrt autofreien Sonntagen auch Deutschlands Zukunft sein. 

Damit du immer über die neusten Zonen und temporären Fahrverbote in Frankreich, aber auch die zunehmenden Dieselfahrverbotszonen in Deutschland informiert bist, lad dir unsere kostenlose Green-Zones App herunter. So weißt du im französischen und europäischen Zonenchaos immer bestens Bescheid und kannst saftige Bußgelder vermeiden. Alle Entwicklungen zum Thema werden auch in unserem Blog veröffentlicht.