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Fahrverbote in Frankreich: Zunahme bis zu 1800 % erwartet!

Paris 83 statt 10, Marseille 89 statt 5, Lyon 108 statt 14. So viele Tage mit temporären Fahrverboten wird es ab 2021 in Frankreich geben.

Die Grenzwerte zur Bemessung der Luftverschmutzung wurden über lange Jahre mit einem veralteten Index gemessen. Dies wird sich im kommenden Jahr ändern – und wird zu vermehrten Fahrverboten in temporären Umweltzonen führen.

Eigentlich sind temporäre Umweltzonen ein Mittel, um schnell gegen starke Luftverschmutzung reagieren zu können. Ihre Aktivierung bei schlechten Luftwerten verbietet die Einfahrt für ältere Fahrzeuge, so dass sofort eine Verbesserung der Luftqualität erreicht werden kann. Trotz der vielen temporären und permanenten Umweltzonen überschreitet Frankreich seit Jahren die von der EU festgelegten Luftgrenzwerte. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass Frankreichs Grenzwerte deutlich höher sind als die von der EU vorgegebenen und ein veralteter Luftverschmutzungsindex genutzt wird, um diese zu messen.  

Im Oktober 2018 hatte der Europäische Gerichtshof erfolgreich Klage gegen die Grenzwertüberschreitung Frankreichs eingereicht, so dass nun ein neuer Index eingeführt wird, der bis zu 18-mal mehr temporäre Fahrverbote bringen wird.  
 
Der zuvor genutzte Index war durch eine zu grobe Skala nicht in der Lage, Berechnungen für kleinere Regionen anzugeben. Temporäre Fahrverbote wurden dementsprechend häufig nicht für nötig gehalten. ATMO-France hat die Skala des Index nun von drei auf sechs Stufen ausgeweitet, so dass auch kleinere Ortschaften mit bis zu 100.000 Einwohnern bewertet werden können. Der neue Index beinhaltet zudem einen Luftschadstoff, der bisher außer Acht gelassen wurden. So berücksichtigte der alte Index zwar unter anderem Stickstoffdioxid und Feinstaub PM10, nicht aber den kleineren, jedoch sehr gesundheitsschädlichen Feinstaub PM2.5. Beim neuen Index wird bei der Bestimmung der Luftqualität in Zukunft außerdem immer der Luftschadstoff mit dem schlechtesten Wert ausschlaggebend sein, so dass Fahrverbote bereits eintreten können, wenn einzelne Grenzwerte überschritten werden.  

Mit der Nutzung der von der EU vorgegebenen Grenzwerte werden die Messungen dann deutlich häufiger die Aktivierung der Zonen nach sich ziehen müssen. Um zu zeigen, wie sehr sich die Änderungen tatsächlich auf zukünftige Fahrverbote auswirken könnten, hat ATMO-France die Luftqualität der Jahre 2015-2017 mit Hilfe des neu berechneten Index analysiert: In Paris wäre laut den neuen Berechnungen die Luft statt lediglich zehn Tage pro Jahr nun 83 Tage pro Jahr als schlecht bewertet worden. Rennes hatte von 2015-2017 keinerlei Tage, an denen die Grenzwerte überschritten wurden, nach der neuen Messmethode wäre aber immerhin an 19 Tagen der kritische Grenzwert überschritten worden. In Marseille und Lyon zeichnen die neuen Berechnungen ein noch dramatischeres Bild: Marseille wäre von fünf auf 89 Tage in die Höhe geschnellt, Lyon von 14 auf 108. Die Luft der französischen Großstädte wird ab dem kommenden Jahr also deutlich öfter als schlecht eingestuft werden, was konsequenterweise die Aktivierungen der temporären Umweltzonen nach sich ziehen müsste. Ob die Präfekten dem folgen werden, bleibt abzuwarten.

Um immer über die neusten Zonen und temporären Fahrverbote informiert zu sein, lad dir unsere kostenlose Green-Zones App herunter. Dort kannst du auch Vorwarnungen, also drohende Fahrverbote einsehen, um vorauszuplanen. So bist du im französischen und europäischen Zonenchaos immer bestens informiert und kannst saftige Bußgelder vermeiden.