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E-Autos als Klimaretter?

Die Hoffnung in die Elektroautos ist groß: mobil zu bleiben, ohne dabei der Umwelt oder der Gesundheit anderer zu schaden. Doch kann das Elektroauto halten was es verspricht? Die Skepsis steigt. Hier ein Überblick.

Seit einiger Zeit ist klar, Verbrennungsmotoren sollen in Europa schon bald der Vergangenheit angehören. In Berlin zum Beispiel sollen sie ab 2030 komplett aus der Innenstadt verbannt werden. Großbritannien will im selben Jahr den Neukauf von Verbrennern gänzlich verbieten. Gleichzeitig werden Diesel und Benziner durch immer striktere Regeln aus den europäischen Umweltzonen ausgesperrt und der Neukauf eines Elektroautos wird in vielen Ländern mit hohen Summen subventioniert. Auch die EU-Kommission unterstützt den Umstieg auf E-Autos. Sie hat sich das Ziel gesetzt innerhalb von 10 Jahren 30 Millionen Stromer auf die europäischen Straßen zu bringen.

Die Zukunft gehört demnach den Elektroautos. Sie gelten als emissionsfrei, verpesten also nicht die Luft wie es die Verbrenner tun, und sind zudem leise. Sie schlagen also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Doch die Stromer geraten immer mehr in die Kritik.

Während die Stickoxid- und CO2-Emissionen der Elektroautos im Straßenbetrieb in der Tat äußerst gering sind, emittieren Sie enorme Mengen Feinstaub. Dies liegt vor allem an den Non-Exhaust-Emissionen, also Emissionen, die nicht vom Motor über den Auspuff in die Luft gelangen, sondern an anderer Quelle entstehen. Vor allem durch Reifen-, Brems- und Straßenabrieb tragen Elektroautos so enorm zum gesundheitsschädlichen Feinstaub in der Luft bei. Und je schwerer ein Elektroauto, desto stärker ist auch der Abrieb. Dies macht Elektroautos mit einer längeren Reichweite besonders umweltschädlich, da diese deutlich schwereren Batterien haben müssen, um die Energie für lange Strecken speichern zu können.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fordert aufgrund dieser Emissionen eine striktere Regulierung der E-Autos, deren Schadstoffausstoß zurzeit nicht wie bei Verbrennern genormt ist.  

Eine neue Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft weist aber nicht nur auf die Feinstaubemissionen als großes Problem bei Elektroautos hin. Aufgrund des momentan – zumindest in Deutschland - verfügbaren Strommix seien Elektroautos keine Klimaretter, sondern Klimasünder. Laut Berechnungen der Forscher würde ein kompletter Umstieg auf E-Autos in Deutschland den Stromverbrauch um etwa 20% steigern. Dieser würde größtenteils aus fossilen Brennstoffen, meist sogar aus Kohle gewonnen werden. Dies wird sich auch in den kommenden Jahren nicht ändern. Erst wenn der Anteil fossiler Brennstoffe in Deutschland auf unter 20% sinkt, würden Elektroautos tatsächlich zum Klimaschutz beitragen. Davon sind wir aber noch weit entfernt: selbst im Jahr 2040 werden noch etwa 40% der Energie in Deutschland aus fossilen Brennstoffen gewonnen werden.

Ein noch nicht angesprochenes Problem ist die Rohstoffgewinnung für die Herstellung von E-Autos. Vor allem seltene Erden, die sich in den Motoren der Stromer befinden werden heutzutage hauptsächlich im Norden Chinas gewonnen. Die Minen sind sehr umweltschädlich, da beim Abbau Säuren verwendet werden, um die Metalle aus den Bohrlöchern zu waschen. Hierbei entstehen auch radioaktive Abfallprodukte. Zudem sind die Arbeitsbedingungen in den Lagern meist extrem schlecht. Der Gewinnung der Rohstoffe steht gegenüber, dass die Motoren und Akkus von Elektroautos mittlerweile komplett recyclebar sind. Bei der Verbrennung von Erdöl und Erdgas bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor gelangen die Endprodukte hingegen als Abgase und Feinstaub in die Luft.

Einige Kritiker der Elektroautos sprechen auch die bisher ungeklärten Auswirkungen von elektromagnetischer Strahlung auf den Körper an. Die Diskussion kam bereits bei Handys auf. Die Batterien, und somit auch die emittierte Strahlung von E-Autos ist natürlich um ein Vielfaches größer.

Trotz der Subventionen des Staates stehen viele Menschen dem E-Auto weiterhin kritisch gegenüber. In Deutschland können sich 59% der Bürger den Kauf eines Elektroautos als Neuwagen nicht vorstellen. Hierzu tragen nicht unbedingt die bereits angesprochenen Probleme bei, sondern die geringe Auswahl von Mittelklasse-Modellen in mittlere Preiskategorie und vor allem die noch mangelhafte Ladestruktur. Selbst beim Ausbau der Ladestruktur zum Beispiel in den Städten, ist das Reisen mit dem Elektroauto zurzeit noch eine logistische Mammutaufgabe. Unterschiedliche Anbieter der Ladestrukturen benötigen unterschiedliche Registrierungen oder Apps bevor das Laden möglich ist. Auch die Preisschwankungen zwischen den Anbietern sind enorm. Und generell ziehen die Anbieter die Preise an. Studien zeigen, dass der Preis beim Fahren mit einem Elektroauto, mit dem eines Dieselfahrzeugs nicht mithalten kann.

Auch ist die fehlende Technologie für schwere Fahrzeuge bei der Elektrifizierung der europäischen Straßen ein Problem. Batterien und Motoren für Lkw und Busse sind häufig für lange Strecken noch nicht geeignet. Auch eine geeignete Ladestruktur für die Schwergewichte bräuchte es, um die Umstellung bei Lkw- und Busflotten voranzutreiben. In einer Erklärung der Lkw-Hersteller Daimler, Scania, MAN & Co hieß es, dass es möglich sei, ab 2040 nur noch elektrische Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, dass hierzu aber auch die Unterstützung der Politik zum Beispiel bei der Ladestruktur, aber auch die Erhöhung der Steuern auf Dieselfahrzeuge nötig sei. Dass ein Vorantreiben der Technologie dringend nötig ist, zeigt dass zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel weiterhin meist mit Diesel fahren, da die Technologie der elektrischen Modelle noch nicht weit genug ist, um die Umstellung zu wagen.

In einigen Ländern wie Japan, ist das Elektroauto schon weitgehend akzeptiert. Doch auch in Europa, wenn auch nicht der Europäischen Union, ist die Akzeptanz der E-Autos schon deutlich weiter als zum Beispiel in Deutschland. In Norwegen waren im vergangenen Jahr mehr als 50% der neu angemeldeten Wagen E- oder Hybrid-Autos.

Sicherlich wird sich die E-Auto-Technologie in den kommenden Jahren weiter entwickeln, so dass Akkus schneller geladen werden können, und die Reichweiter der Fahrzeuge zunehmen wird. Neue Filtersysteme an den Bremsen könnten auch die Non-Exhaust-Emissionen reduzieren. So können E-Autos vielleicht nicht allein, aber als Teil eines grüneren Gesamtkonzepts, die Mobilitätswende voranbringen und für saubere Luft und leisere Städte sorgen.