Deutsch
English
Français
Polski
< Alle Beiträge zeigen

Abgasskandal: VW trickst weiter

Messungen zufolge überschreiten Wohnmobile von FiatChrysler und VW die erlaubten Abgasgrenzwerte um ein Vielfaches. Die Politik sieht wieder einmal nur tatenlos zu.

Das Emissions-Kontroll-Institut (EKI) der deutschen Umwelthilfe (DUH) hat enorme Überschreitungen der Stickoxidwerte bei Wohnmobilen der Euro-Normen 5 und 6 festgestellt. Reisende, die auf das Wohnmobil setzen, sind oft naturverbunden. Doch gerade diese Fahrzeuge sind deutlich umweltschädlicher, als auf dem Papier angegeben und laut Grenzwerten erlaubt. Die DUH fordert daher einen Rückruf der Fahrzeuge durch Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU).

Den Angaben des EKI zufolge stoße ein VW T5 2.0 TDI California mit der Abgasnorm 5 durchschnittlich 1.343 mg/km aus. Erlaubt sind bei der Euro-Norm 5 gerade einmal 280 mg/km. Der Fiat Ducato 130 Multijet Euro 6 schneidet sogar noch schlechter ab. 1.520 mg/km und somit mehr als 12-mal so viel wie die erlaubten 125 mg/km stößt er im Schnitt aus. Bei geringen Außentemperaturen steigt der Ausstoß sogar auf 2.377 mg/km, also etwa um das 19-fache des erlaubten Stickoxids.

Die Politik sieht hierbei nur zu. Dass Fahrzeuge bei geringen Temperaturen deutlich mehr Abgase ausstoßen, ist bekannt und erlaubt, um den Motor zu schützen. Erst vor kurzem hatte das Verkehrsministerium die Einführung von neuen Abgastests, die solche Schlupflöcher nicht mehr zulassen, um zwei Jahre verschoben. Immerhin, das Bundesverwaltungsgericht hat am gestrigen Montag nach einer Klage der DUH zumindest entschieden, dass die Akten zum vorigen Diesel-Skandal aus dem Jahr 2015 nicht länger unter Verschluss gehalten werden dürfen. Scheuer muss die Daten nun freigeben.

Trotzdem scheint es kaum ein Abreißen der Tricksereien und Skandale aus der Auto- und Transportindustrie zu geben. Nach den vorigen Abgasskandalen und den Diskussionen um die fälschlicherweise als ökologisch verkauften Hybridautos, kommt nun der nächste Skandal um deutlich zu hohe Stickoxidwerte. Selbst bei der angegebenen Größe vom Kofferraum wird laut Messungen des ADAC getrickst und der Kunde vorgeführt. Die Autoindustrie kann es einfach nicht lassen. Anscheinend waren die Strafen und der Imageverlust bei VW und Co. beim letzten Skandal nicht groß genug.

Somit bleibt auch die Frage, was Umweltzonen eigentlich bringen. Die Fahrzeuge, die zwar laut ihrer Euro-Norm einfahren dürfen, halten diese in der Realität nicht ein und verpesten somit munter die Luft in den Städten. Schwere Wohnmobile werden in Frankreich bezüglich der Umweltzonen bereits als Lkw eingestuft. Wenn sie aber um ein 10-faches dreckiger sind als gedacht, dürften sie vielleicht dort und auch andernorts gar nicht mehr einfahren. Wenn die Umweltzonen und Grenzwerte also strenger werden, da die Luft weiterhin zu schlecht ist, ist nicht zuletzt die Autoindustrie selbst daran Schuld.

Und auch die Bahn gibt mit dem durch Ökostrom angetriebenen Fernverkehr – einer vergleichsweise kleinen Sparte - an, grüner zu sein, als sie ist.

Wer wirklich grün unterwegs sein möchte, kann sich tatsächlich nur noch auf sich selbst verlassen, und Fahrrad fahren oder zu Fuß laufen. Wann greift die Politik endlich ein, um dem Tricksen ein Ende zu machen?